Gemini benennt Gems und Spark um

Google Gemini bleibt Gemini, aber einige vertraute Werkzeuge bekommen neue Namen und ziehen an andere Orte. Wenn Du Dir in Gemini eigene Abläufe gebaut hast, solltest Du wissen, was künftig wo zu finden ist und welche Funktionen vorerst nicht mehr wie gewohnt mitspielen.

Was passiert ist

Google baut in der KI-Anwendung Gemini zwei zentrale Funktionen um. Laut dem Bericht zu den neuen Gemini-Namen werden die bisherigen „Gems“ künftig „Skills“ heissen. Der Hintergrund-Agent „Gemini Spark“ verliert seinen eigenen Namen und läuft im Chat unter „Tasks“.

Gems waren bisher angepasste KI-Helfer für einzelne Aufgaben. Wenn Du Gemini zum Beispiel immer wieder zum Redigieren von Texten genutzt hast, konntest Du dafür ein Gem anlegen und es in einem eigenen Chatfenster verwenden. Künftig sollen solche gespeicherten Eingabebefehle, auch Prompts genannt, sowie angehängte Referenzdateien als Skills direkt im laufenden Chat nutzbar sein.

Der Aufruf dieser Skills erfolgt über einen Schrägstrich oder künftig über das Klammeraffen-Symbol direkt in der Textzeile. Neu ist auch, dass sich mehrere Skills in einer einzigen Anfrage kombinieren lassen. Google nutzt dafür das offene Format „SKILL.md“ auf Basis von Markdown. Markdown ist eine einfache Schreibweise, mit der Text strukturiert werden kann, etwa mit Überschriften oder Listen. Laut Quelle können Nutzerinnen und Nutzer ihre hinterlegten Regeln als Textdatei herunterladen und in Programme anderer Anbieter übertragen.

Der Wechsel bringt aber Einschränkungen mit. Bestehende Gem-Funktionen wie die Arbeitsfläche „Canvas“, die Websuche „Deep Research“ sowie die Video- und Musikgenerierung funktionieren zum Start nicht mit Skills. Ausserdem synchronisiert Google die erstellten Skills nicht zwischen der Gemini-App und Workspace-Anwendungen wie Docs oder Gmail.

Für private Google-Konten gilt eine weitere Bedingung: Die Nutzung von Skills setzt voraus, dass die Speicherung der eigenen Aktivitäten in den Kontoeinstellungen eingeschaltet ist. Ab dem 17. November 2026 wandelt Google bestehende Gems auf Privatkonten automatisch in Skills um. Im selben Monat stellt Google zudem das Experimentier-Werkzeug „Opal“ für Mini-Anwendungen ein.

In Unternehmen und Organisationen mit Workspace-Lizenzen läuft die Umstellung langsamer. Dort lassen sich die alten Gems noch länger nutzen. Für Geschäftskundinnen und Geschäftskunden werden sie ab dem 1. März 2027 abgeschaltet, für Bildungseinrichtungen ab dem 1. Juni 2027.

Auch bei Gemini Spark ändert sich die Bedienung. Spark war als eigenständiger KI-Agent vorgestellt worden. Ein KI-Agent ist ein Programm, das mehrstufige Arbeitsaufträge selbstständig im Hintergrund abarbeiten kann. Der Name „Gemini Spark“ verschwindet nun aus der Seitenleiste. Die Funktion wird ins Hauptfenster verlagert und heisst dort „Tasks“.

Über dem Texteingabefeld sitzt laut Quelle ein Umschalter namens „Task“. Damit lassen sich bis zu 15 mehrstufige Aufträge gleichzeitig starten, etwa zum Aufräumen eines E-Mail-Postfachs oder zur Preisüberwachung von Flügen. Um Aufgaben auf Webseiten auszuführen, greift Gemini entweder auf den lokalen Chrome-Browser des Computers samt eingeloggten Konten zu oder nutzt einen fernsteuerbaren Browser auf Googles Cloud-Servern. Dieser Remote-Browser kann Aufträge auch dann weiter abarbeiten, wenn das eigene Smartphone oder Notebook ausgeschaltet ist.

Google beschreibt Schutzmechanismen für sensible Schritte. Vor Einkäufen, Passworteingaben oder dem Versenden von Nachrichten soll das System eine Bestätigung einholen. Gleichzeitig weist Google laut Quelle selbst darauf hin, dass diese Schutzmechanismen fehleranfällig sind. Läuft ein Auftrag in der Cloud während der Abwesenheit, lassen sich unbeabsichtigte Aktionen oder die Weitergabe persönlicher Daten an Dritte unter Umständen nicht rechtzeitig aufhalten.

Zusätzlich entsteht bei den Zeitplänen eine Doppelstruktur. In der Seitenleiste gibt es unter „Zeitpläne“ zwei technisch getrennte Systeme. Einfache Zeitpläne für normale Chats führen Textanfragen zu festen Uhrzeiten aus und berechnen die Antwort bis zu eine Stunde im Voraus. Davon getrennt gibt es Zeitpläne für Tasks. Diese dienen als automatische Auslöser für mehrstufige Hintergrundaufträge und können laut Quelle nicht nur nach Uhrzeit starten, sondern auch auf neu eintreffende E-Mails in Gmail oder aktuelle Nachrichtenereignisse reagieren.

Warum das relevant ist

Die Änderung betrifft nicht nur die Beschriftung in der Oberfläche. Wenn Google vertraute Untermenüs auflöst und Werkzeuge direkt in das Eingabefeld verschiebt, verändert sich der tägliche Umgang mit Gemini. Was gestern noch in einem separaten Bereich lag, kann morgen über ein Zeichen in der Textzeile aufgerufen werden.

Für den Alltag ist das zweischneidig. Einerseits können Skills praktischer werden, weil Du gespeicherte Arbeitsanweisungen direkt im laufenden Chat verwenden und mehrere davon kombinieren kannst. Das ist nützlich, wenn Du etwa einen Text zuerst kürzen, dann an einen bestimmten Stil anpassen und danach für eine E-Mail vorbereiten willst. Andererseits fallen zum Start Funktionen weg, die bisher mit Gems verbunden waren. Wer Canvas, Deep Research oder Video- und Musikgenerierung in solchen angepassten Helfern genutzt hat, muss mit Einschränkungen rechnen.

Relevant ist auch die fehlende Synchronisierung zwischen der Gemini-App und Workspace-Anwendungen wie Docs oder Gmail. Wenn Du erwartest, dass ein einmal erstellter Skill überall gleich verfügbar ist, kann das zu Verwirrung führen. Gerade bei wiederkehrenden Arbeitsabläufen ist die Frage wichtig: Nutze ich Gemini im Chat, in Docs oder in Gmail, und finde ich dort dieselben Bausteine wieder?

Bei Tasks geht es um mehr als Ordnung in der Seitenleiste. Die Funktion kann Aufgaben im Hintergrund ausführen und dafür entweder Deinen lokalen Browser oder einen Browser in Googles Cloud verwenden. Das macht solche Aufträge mächtiger, aber auch heikler. Wenn ein Auftrag weiterläuft, während Dein Gerät ausgeschaltet ist, verschiebt sich die Kontrolle ein Stück weg von Deinem Bildschirm.

Die Datenschutzfrage wird dadurch konkreter. Bei Skills müssen private Konten die Speicherung der eigenen Aktivitäten aktivieren. Bei Tasks können persönliche Daten betroffen sein, wenn Aufträge auf Webseiten, in E-Mails oder mit eingeloggten Konten arbeiten. Google nennt Schutzmechanismen, beschreibt sie aber selbst als fehleranfällig. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, nicht jede Aufgabe blind an einen Hintergrund-Agenten zu übergeben.

Die doppelten Zeitpläne erhöhen zudem die Gefahr von Missverständnissen. Ein Zeitplan für einen einfachen Chat ist nicht dasselbe wie ein Zeitplan für einen Task. Der eine führt Textanfragen zu festen Uhrzeiten aus, der andere kann mehrstufige Hintergrundaufträge auslösen. Wenn beide unter einem ähnlichen Begriff auftauchen, lohnt sich ein genauer Blick, bevor Du automatische Abläufe einrichtest.

Was das für dich heisst

Für Einsteiger

Wenn Du Gemini eher gelegentlich nutzt, musst Du vor allem die neuen Namen kennen: Gems werden Skills, Gemini Spark wird Tasks. Suche Deine angepassten Helfer künftig nicht mehr zwingend in einem separaten Bereich, sondern achte auf die Eingabezeile im Chat. Wenn Du ein privates Google-Konto nutzt, beachte zudem, dass Skills die aktivierte Speicherung Deiner Aktivitäten voraussetzen. Und bei Tasks gilt: Starte am Anfang lieber einfache, überschaubare Aufgaben, bei denen keine sensiblen Daten, keine Einkäufe und keine Nachrichten an andere Personen betroffen sind.

Für Fortgeschrittene

Wenn Du bereits eigene Abläufe mit Gems aufgebaut hast, solltest Du vor der automatischen Umwandlung prüfen, welche davon von Canvas, Deep Research oder Video- und Musikgenerierung abhängen. Diese Funktionen funktionieren zum Start nicht mit Skills. Plane ausserdem ein, dass Skills nicht zwischen Gemini-App und Workspace-Anwendungen wie Docs oder Gmail synchronisiert werden. Bei Tasks lohnt sich eine klare Trennung: einfache Chat-Zeitpläne für reine Textabfragen, Task-Zeitpläne für mehrstufige Hintergrundaufträge. Besonders bei Cloud-Aufträgen solltest Du zurückhaltend sein, weil unbeabsichtigte Aktionen oder Datenweitergaben laut Quelle nicht immer rechtzeitig gestoppt werden können.

Konkret ausprobieren

  1. Inventar machen: Öffne Gemini und notiere Dir, welche Gems oder wiederkehrenden Arbeitsabläufe Du tatsächlich nutzt. Markiere besonders jene, die Canvas, Deep Research oder Video- und Musikgenerierung verwenden. So siehst Du schnell, wo die Umstellung auf Skills Einschränkungen bringen kann.
  2. Neue Aufruflogik testen: Sobald die Funktion bei Dir verfügbar ist, probiere den Aufruf über den Schrägstrich oder das Klammeraffen-Symbol in der Textzeile aus. Teste zuerst einen einfachen Skill, etwa eine gespeicherte Schreibanweisung, und kombiniere danach zwei Skills in einer Anfrage. So bekommst Du ein Gefühl dafür, ob der neue Weg für Deine Arbeit wirklich schneller ist.
  3. Tasks vorsichtig einrichten: Starte mit einem ungefährlichen mehrstufigen Auftrag, bei dem keine sensiblen Schritte nötig sind. Prüfe danach die Zeitpläne genau: Handelt es sich um einen einfachen Chat-Zeitplan oder um einen Task-Zeitplan? Wenn ein Auftrag über einen Cloud-Browser laufen soll, überlege besonders sorgfältig, welche Konten und Daten betroffen sein könnten.

Quellen

KI-Lehrer.chKI-Lehrer.ch

Bild: Mikhail Nilov via Pexels